Interview des Monats Juni mit Ingo Haselbacher (Sport & Freizeit GmbH Wedemark / 1999 SZ)

Im Interview des Monats Juni stand uns Ingo Haselbacher Rede und Antwort und erzählt von seinem Weg von einer Plattenfirma über die Vancouver Canucks in seinen elterlichen Betrieb und wie es zu seinem Beinamen gekommen ist.

Moin Ingo!

Schön, dass es mit dem Interview geklappt hat! Auch an dich die schon fast klassische erste Frage…woher kommst du ursprünglich und wo liegen deine Wurzeln?

Ich komme ursprünglich aus der Wedemark, der Heimat der Hannover Scorpions. Dort haben die Scorpions ihren Ursprung.

Das heißt, die sind irgendwann mal so groß gewesen, dass sie gesagt haben: Die Wedemark ist uns zu klein, wir gehen jetzt nach Hannover?

Nicht so ganz. Hier gab es einen kleinen Eishockey-Verein, den ESC Wedemark. Irgendwann ist da mal meine Familie eingestiegen in Form meines Vaters und meines Bruders. Die sind dann Liga für Liga aufgestiegen, bis sie dann 1996 in der DEL angekommen sind. Im Expo-Jahr 2000 sind die Scorpions dann Expo Botschafter geworden, nach Hannover in die TUI Arena umgezogen und haben den Namen von Wedemark zu Hannover Scorpions geändert – mit dem Image: Vom Dorfverein zum DEL-Club.

In wie weit war da deine Familie noch engagiert, als sie in der DEL waren? 

Eigentlich sogar sehr vielfältig, wir waren als Lizenzinhaber, Mannschaftsinhaber und in der Geschäftsführung engagiert. Mein Bruder war Sportlicher Leiter, mein Vater Geschäftsführer und meine Mutter hat Sponsoren betreut und für die Jungs gekocht. 😉 Das Profiteam war dann in einer GmbH ausgegliedert, aber zu großen Teilen ein Familienunternehmen.

Das heißt dadurch bist du dann mit Eishockey groß geworden?

Ursprünglich war ich der Erste in der Familie, der mit dem Eishockey in Verbindung kam und da war ich 14 Jahre alt. Meine Mutter war damals Ortsbürgermeisterin und hat Sportlerehrungen gemacht und uns gefragt, ob ich und mein Bruder dort nicht mal Lust hätten Eishockey zu spielen. Nach und nach hat sich die Familie dann auch dort engagiert und ich habe aktiv Eishockey gespielt bis ich ungefähr 22 war. Durch das sportliche Interesse seitens meines Bruders und mir kam das dann zu Stande.

Das ist ja doch eher ein ungewöhnlicher Einstieg in eine Sportart…

Ja, im Studium wurde ich dann damit auch in Verbindung gebracht. „Ach, das ist doch der Herr Haselbacher mit der eigenen Eishockey-Mannschaft.“ 😉 Die Lizenz ist aber mittlerweile verkauft und so sind die Scorpions entstanden.

War für dich denn der Weg vorgezeichnet, dass du gleich nach dem Abitur in dem elterlichen Betrieb tätig werden solltest?

Nicht wirklich. Ich habe zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Polygram in Langenhagen gemacht. Das war dann schon vor dem Hintergrund, zunächst etwas Bodenständiges zu Lernen um damit dann Geld verdienen zu können. Nebenher habe ich bei den Heimspielen an den Wochenenden in der Gastronomie im Eisstadion gearbeitet. Zu dem Zeitpunkt war mir noch gar nicht bewusst, dass ich später mal studieren gehen möchte.

Bist du dann nach deiner Ausbildung bei Polygram geblieben oder ging es gleich zurück in das elterliche Unternehmen?

Ich war mit der Ausbildung super zufrieden und das hat sehr viel Spaß gemacht dort auch zu arbeiten. Polygram, heute Universal Records, war damals das weltgrößte Plattenunternehmen und das war einfach ein cooler Job. Ich war im Verkauf tätig und meine Aufgabe war es, neue, junge Bands in den Markt zu „breaken“. Weder Sport noch Familienunternehmen war zu dem Zeitpunkt ein Thema. Ich hab mich in der Musik einfach sehr wohl gefühlt.

Welche Bands hast du dort dann in den Markt gebracht?

Ganz viele verschiedene. Meine Aufgabe war es dann vor allem die neuen Bands gut zu positionieren. Dazu zählten unter anderem Portishead, Tricky oder Marky Mark, aber auch viel elektronische Musik, wie Cafe den Mar oder Progressive House Veröffentlichungen.

Wann war dann bei dir die Entscheidung gereift, dass du in Salzgitter Sportmanagement studieren möchtest?

Ehrlich gesagt war das mehr oder weniger ein Zufall. In Hamburg wurde mir ein Job als Produktmanager bei einem Label angeboten und ich wollte auch aus dem Vertrieb raus. Gleichzeitig wurde das Eishockey hier in der Wedemark immer größer und wir hatten hier einen Praktikanten aus Salzgitter und mein eigentlicher Plan war Kulturwissenschaften zu studieren, was typisch für Leute in der Musikbranche war. Dann habe ich mich mit dem Praktikanten unterhalten und der war total von Salzgitter und dem Studium begeistert. Ich habe mich dann mit dem Thema beschäftigt und dachte, das ist genau das richtige für mich.

Wie schwer fiel dir dort die Entscheidung von einem guten, sicheren Job wegzugehen und nochmal zu studieren?

Das haben mich damals auch sehr viele gefragt, aber das fiel mir eigentlich überhaupt nicht schwer. Es hatte sich zu dem Zeitpunkt bei mir der Gedanke entwickelt, dass ich auf jeden Fall nochmal studieren will und dadurch ist es mir dann leicht gefallen. Durch meine Eltern im Hintergrund ist es mir dann vielleicht noch ein wenig leichter gefallen. Die Heimspiele hier vor Ort waren auch ein riesen Hype und immer Thema, selbst wenn man Weihnachten unterm Weihnachtsbaum saß. 😉

Wie war dann dein erster Eindruck von Salzgitter?

Damals gab es dann so einen Kennenlerntag und dann dachte ich mir: OK, du bist jetzt in Salzgitter. Ich habe dann aber sehr schnell viele coole Menschen kennengelernt, die dann auch meine besten Freunde wurden und dadurch habe ich das Drumherum echt ausgeblendet. Mein Ergebnis war dann irgendwie: Sportmanager an sich sind schon eine geile Spezies von Mensch! Zunächst bin ich dann immer gependelt, bin dann aber schlussendlich nach Salzgitter ins Studentenwohnheim gezogen.

Dein erstes Praxissemester hast du beim DSF, heute Sport1, gemacht. Wie ist dort der Kontakt entstanden und was hast du dort dann gemacht?

Damals wurde Eishockey noch teilweise im DSF gezeigt, weil der Geschäftsführer dort eishockey-afin war (sein Sohn Juri Ziffzer spielt heute noch in der DEL) und den kannte mein Vater ganz gut. So ist der Kontakt entstanden. Ich war dann im Marketing/Licensing tätig und dort habe ich mich dann um Merchandise-Artikel gekümmert und um Anfragen von Produkten, die gerne mit DSF Logo gebrandet werden wollten. Die Hersteller wollten ihre Artikel verkaufen und DSF sollte als Multiplikator dienen. Das war schon eine spannende Sache, da wir als Praktikanten auch stark mit eingebunden wurden. Dort habe ich viele meiner Arbeits-Grundlagen gelernt, wie z.B. mit todo Listen zu arbeiten etc.

Wo hast du dann dein 2. Praxissemester absolviert?

Das habe ich dann bei adidas gemacht. Björn Jäger, ebenfalls ehemaliger Student bei uns, hatte dann dort meinen Namen ins Spiel gebracht. Ich habe mich dort für die Abteilung Markenkommunikation für das Thema Running beworben und das hat dann auch geklappt. Dort wurde von einem als Praktikanten sehr viel abverlangt, aber das war auch gerade toll, weil wir richtig gefordert wurden und viel zu tun hatten. Ich habe mich dann hauptsächlich um den Berlin-Marathon gekümmert und das war ein wahnsinnig tolles Projekt! Ich durfte dann auch mit vor Ort sein. Hammer! Ein wahnsinns Event! Das war echt toll!

Wie ging es für dich danach dann weiter?

Ich hatte sehr viel Glück und konnte ein Internship, also ein Praktikum bei den Vancouver Canucks in der NHL machen.

Wie bist du da rangekommen?

Das ist prinzipiell gar nicht so einfach. 😉 Dort war schon jemand vor uns und hatte dort ein Praktikum absolviert. Der konnte mir den Kontakt zu seiner damaligen Vorgesetzten vermitteln und dann habe ich dort angerufen, ein Telefoninterview geführt und dann haben die mich genommen. Die haben sich auch immer über Praktikanten aus Europa gefreut, weil die immer ohne Bezahlung arbeiteten und für mehrere Monate dort zum arbeiten blieben.
😉 Ich habe dann Reports überarbeitet und mich um die Kommunikation mit Dauerkarten-Inhabern gekümmert. Seitdem bin ich Profi in der Erstellung von Serienbriefen. 😉 Meine Arbeitsinhalte war mit Sicherheit nicht so spannend wie bei adidas oder DSF, aber dort hat Eishockey einen ganz anderen Stellenwert. Das ganze Land ist Eishockey-verrückt. Das muss man sich vorstellen wie in Deutschland Fußball, nur viel krasser. Eishockey-Spieler sind da richtige Popstars.

Hast du dort dann auch deine Diplomarbeit geschrieben?

Ich bin dann im November 2004 wieder nach Deutschland gekommen und habe dann dort meine Diplomarbeit geschrieben. Ich habe mich dann nach der bestandenen Diplomarbeit überall in der DEL als Marketing Manager beworben und bei den Krefelder Pinguinen hat das dann geklappt.

Wie lange bist du dort dann geblieben?

Nicht so lange, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Die Tätigkeit war super und hat Spaß gemacht, aber ich bin in eine politisch schwierige Situation geraten, so dass ich nach einer Saison als Rookie die Reißleine ziehen musste. Das war damals schon brutal, aber aus Rückschlägen nimmt man dann viel mit. Ich hatte beim Einstellungsgespräch schon ein wenig das Gefühl, dass da was nicht stimmt, bin dem aber nicht nachgegangen. Heute würde ich das anders machen. Danach bin ich dann wieder in die Wedemark gegangen und bin hier nach zwei Jahren als Geschäftsführer tätig geworden.

Wie schwer ist es im elterlichen Betrieb tätig zu sein?

Das werde ich seltsamer Weise sehr oft gefragt. 😉 2004 haben wir die Lizenz für die DEL an den Inhaber der TUI-Arena Günter Papenburg verkauft und aus dieser Zeit stammt noch die GmbH. Wir betreiben aktuell immer noch die Eissporthalle, ein Freibad und einen Ticketshop. Man hat natürlich Vorteile im Familienbetrieb, da man gut weiß, wie die anderen ticken, aber es gibt natürlich auch Nachteile, weil man bspw. Konflikte auch mal in den Geschäftsalltag mit hereinträgt. Ich bin mit der Entscheidung aber sehr zufrieden und arbeite gerne im Familienbetrieb.

Kümmerst du dich denn mehrheitlich um das Freibad oder die Eissporthalle?

Da der Betrieb saisonbedingt wechselt, kümmere ich mich um Beides. Beide Geschäftsbereiche laufen auch in Partnerschaft mit der Gemeinde. Ich kümmere mich dadurch, dass es so klein ist, tatsächlich um alles. Das bedeutet: Marketing, Geschäftsführung, Finanzierung, Investition, Controlling, aber auch mal Müllbeutel in den Mülleimern wechseln oder als Schwimmmeister am Beckenrand stehen. Ab und an habe ich auch das Gefühl, dass ich vielleicht zu nah dran bin und zu wenig Zeit für Führungsaufgaben habe. Mein Vater zieht sich jetzt aber mehr und mehr raus und wir Kinder bekommen immer mehr die Verantwortung. Derzeit planen wir hier ein richtig großes Open-Air-Festival, das WaterVention, das am 27. August auf verschiedenen Areas auf unserem Gelände stattfinden wird. Dort haben wir unter anderem Revolverheld als Headliner gewinnen können.

Denkst du, dass deine Tätigkeit auch eine typische Beschäftigung für einen Sportmanager ist?

Auf jeden Fall! Wir haben hier ein Home-Eishockey-Team, Nachwuchs-Eishockey und viele Sportveranstaltungen. Wir planen viele Events, wie das WaterVention, dass wir in diesem Jahr durchführen. Sicher hat mein Job nach Außen nicht so viel Sexappeal, wie bei Hannover 96 tätig zu sein, aber als Sportmanager in einer Freizeitanlage zu arbeiten ist auf jeden Fall eine spannende, abwechslungsreiche und fordernde Tätigkeit.

Welcher Bereich, oder welches Event läuft bei euch am Besten?

Für viele erstaunlich, ist das Eisstockschießen. Wir hatten hier schon den Innenminister Schünemann, unseren Ministerpräsidenten David McAllister und den jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulff bei uns zum Eisstockschießen zu Gast. Das funktioniert als Event einfach wahnsinnig gut. Man erlernt das Spiel in Minuten, es entsteht ein kleiner sportlicher Wettstreit, dann gibt es noch einen Glühwein und gutes Essen dazu und fertig ist der Regieplan für eine kommunikative, gelöste Veranstaltung, die allen Spaß macht.

Kannst du dir vorstellen, aus deinem Bereich wegzugehen und wieder in den Profisport reinzugehen?

Theoretisch ja. Klar reizt das schon, wenn ehemalige Kommilitonen erzählen, dass sie bei Nike oder adidas arbeiten und zwischen Frankfurt, Rom und London hin- und her jetten, aber mittlerweile bin ich so mit dem Unternehmen verwoben, dass das theoretisch möglich wäre, in der Praxis aber eher unwahrscheinlich.

Das erste was ich von dir gehört habe war: Ingo Haselbacher –der Mogul aus Mellendorf. Ist da was dran?

Das ist natürlich schön plakativ und wird immer gerne wieder verwendet. 😉 Mein Vater war einer der größten Unternehmer am Ort, in zahlreichen politischen Ämtern tätig, meine Mutter Bürgermeisterin und dann kam das mit dem Eishockeyteam dazu. In unserem kleinen Dorf war das natürlich etwas Besonderes. Das Bild des Haselbacher Clans wurde dann gerne in den Medien verwendet und es gibt auch einen Fernsehbeitrag des NDR, der das thematisiert. Im Endeffekt sind wir aber eine ganz normale Familie.

Gibt es eine Anekdote, die dich heute immer noch an deine Studienzeit erinnert?

Ich erinnere mich oft und gern ans Studium zurück. Es gibt viele schöne Geschichten…

Eine letzte Frage noch an dich: Welchen Rat würdest du jetzigen Sportmanagement-Studenten mit auf den Weg geben?

Genießt die Zeit im Studium, denn sie ist viel zu schnell vorbei. Bloß keine Scheu vor irgendwas haben, sich ruhig alles zutrauen, denn alle Wege im Sportbusiness stehen einem offen. Wer mit Leidenschaft und vollem Einsatz arbeitet, wird belohnt. Auch Rückschläge gehören dazu und sind manchmal die wertvollsten Erfahrungen. Ihr solltet probieren, schon während der Studienzeit auch praktische Erfahrung außerhalb des Praxissemesters zu sammeln und ein Auslandssemester ist ebenfalls unheimlich wertvoll!

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit!

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