Interview des Monats November mit Normen Elker (BLSK / 2003 SZ)

Im Monat November stellen wir euch dieses Mal den Werdegang von Normen Elker, SZ-Absolvent von 2008 vor. Er gab uns einen Einblick in seine Tätigkeit bei der Braunschweigischen Landessparkasse und verrät uns wie es zu seinem Spitznamen Paps gekommen ist und was den Anstoß für sein spätes Studium gegeben hat.

Moin Normen!

Erstmal vielen Dank, dass du Zeit für ein Interview mit uns gefunden hast! Auch an dich zunächst die Frage: Wo liegen deine Wurzeln?

Ursprünglich komme ich aus Wolfsburg. Dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe dort auch mein Abitur gemacht. Anfang Oktober hatte ich mein 20-jähriges Abitreffen. Ich war ja vergleichsweise ziemlich alt, als ich mit dem Studieren anfing. 🙂 Mein Spitzname an der FH war dann irgendwann Paps.

Woran lag das?

Ich hatte im Vergleich zu meinen Kommilitonen schon einen eindeutigen Altersvorsprung und daraus resultierte das. Ich habe erst mit 33 angefangen zu studieren und bin über die Wartesemester an den Studienplatz gekommen. 🙂

In wie fern?

Naja, ich hatte, als ich angefangen habe zu studieren, schon 26 Wartesemester. 18 werden aber maximal anerkannt. So hatte ich natürlich extrem gute Chancen angenommen zu werden, da ich auf der Liste ziemlich weit oben stand.

Nach deinem Abitur hast du dann zunächst deinen Wehrdienst abgeleistet. War das im Nachhinein eine sinnvolle oder sinnfreie Zeit für dich?

Für mich war das eigentlich größtenteils, bis auf die Zeit der Grundausbildung, wirklich Zeitabsitzen. Das war in meinem Fall aber nicht allzu schlimm, da ich nach dem Abitur noch nicht so Recht wusste, was ich überhaupt machen will. Während der Zeit des Wehrdiensts hatte ich dann Zeit mich zu orientieren.

Anschließend bis du ja einen relativ geradlienigen Weg gegangen und hast eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Commerzbank begonnen. War das so dein eigener Wunsch oder auch von deinen Eltern mit getragen?

Auf die Idee bin ich mehr durch einen Freund gekommen. Ich hatte zwar zum damaligen Zeitpunkt auch einen Studienplatz in Aussicht, war aber noch nicht so wirklich dazu bereit zu studieren. Hinzu kam dann noch der Ratschlag meiner Eltern, zunächst eine solide Ausbildung zu machen. Nach der Ausbildung hatte ich dann aber nicht mehr so richtig Lust auf die Bank und habe mich selbstständig gemacht.

Was hast du in deiner Selbstständigkeit gemacht?

Zunächst bin ich meiner Branche treu geblieben, und habe als Finanzberater für einen Finanzdienstleister gearbeitet, ähnlich wie AWD. Das war allerdings finanziell nicht die beste Entscheidung, so dass ich irgendwann die Notbremse gezogen und mich wieder bei der Commerzbank beworben habe.

Hat man dich dann bei der Commerzbank mit offenen Armen empfangen, oder gab es da dann doch Vorbehalte?

Nein, gar nicht! Die haben mich in der Tat gerne wieder angestellt und wussten meine Qualitäten zu schätzen. Dort war ich dann zunächst als Servicemitarbeiter tätig und habe mich innerhalb der Bank weitergebildet. Zuletzt war ich als Seniorprivatkundenberater tätig. Meine Unzufriedenheit mit dem Job wuchs jedoch mit der Zeit immer mehr und ich hatte irgendwann einfach keine Lust mehr auf Bankvertrieb. Ok, schreiben wir es doch: Ich hatte die Schnauze voll!

Nach 12 Jahren Berufstätigkeit und einem eigentlich doch sehr sicheren Job, hast du dich dann dazu entschieden, doch nochmal zu studieren. Da stellt man sich als Außenstehender dann doch die Frage: Warum macht man das?

Ich habe mich zum damaligen Zeitpunkt an mein Lebensmotto gehalten: „Man muss auch mal Risiken eingehen“. Ich habe u.a. ein sehr interessantes Buch gelesen mit dem Titel: „Durchstarten zum Traumjob“, was einem eine sehr gute Anleitung gibt, heraus zu finden, was man wirklich im Leben will. Hinzu kam ein Zufall. Ich habe mit meinem guten Freund Ingo Bartels telefoniert, der Sportmanagement in Salzgitter studierte. Ich suchte konkret nach einer Veränderungsmöglichkeit durch dieses Buch und die Frage, was ich wirklich machen will. Aber ohne dieses Telefonat hätte ich vielleicht nicht studiert!

Wie war da die Reaktion deines direkten Umfelds als du beschlossen hattest Sportmanagement zu studieren?

Die meisten haben schon gesagt, dass ich verrückt bin, und das bloß nicht machen sollte. Nur wenige haben gesagt: Wenn du das wirklich willst, dann mach das! Dazu gehörten meine engsten Freunde und auch meine Eltern.

Was hat dein Arbeitgeber dazu gesagt?

Dort wurde mir eine verlängerte Kündigungsfrist eingeräumt, so eine Art Sabbatical. Ich war zwar noch offiziell angestellt, studierte allerdings schon. Ich hätte also dort weiterarbeiten können, falls mir das Studium nicht gefiel. Die Möglichkeit habe ich dann aber nicht genutzt. Während des Studiums habe ich aber immer in den Semesterferien als Kundenberater gearbeitet. Das bedeutete zwar keine Freizeit, dafür aber die Chance finanziell durchzuhalten.

Wie war dann das Feeling, mit 33 anzufangen zu studieren, während um dich herum viele Leute saßen, die gerade erst mit ihrem Abitur fertig waren?

Tja, irgendwie hat mich das jung gehalten. 🙂 Und da ich mich auch immer als jung geblieben gefühlt habe, war das für mich nie ein Problem. (Meine Kollegin sitzt mir gerade gegenüber und lacht mich aus!) 🙂 Das Ganze hat aber auch den Vorteil, dass man einfach weiß, was man will, und wofür man das macht. Wir hatten auch viele in unserem Jahrgang, die gerade vom Abitur kamen. Da waren schon ein paar dabei, die noch nicht so zielstrebig waren. Bei mir war von vornherein die Herangehensweise: Du hast nur eine Chance, und die musst du nutzen. So schnell wie möglich und so gut wie möglich! Ich habe mich mit zwei Kommilitonen zusammengetan und wir haben uns gegenseitig in den Arsch getreten. An dieser Stelle herzliche Grüße an Matze und Calli! Mit den beiden treffe ich mich regelmäßig zwei bis dreimal im Jahr und dann gehen wir wie während des Studiums in die Sauna.

Dein erstes Praxissemester hast du dann in den USA gemacht bei der Sportsmonster Corporation of America. Was genau muss ich mir darunter vorstellen?

Die haben ein Geschäftsmodell, was hier in Deutschland aufgrund der Vereins- bzw. Verbandsstruktur nicht funktionieren würde. Sportsmonsters ist ein Anbieter von Sportligen. Die bieten die Möglichkeit verschiedene Sportarten in einer organisierten Ligastruktur durchzuführen – wie in Deutschland so eine Art Freizeitliga in Soccerhallen. Dort gibt es dann verschiedene Leistungsklassen, für die man sich anmelden kann. In Amerika gibt es für die meisten Menschen nach dem College keine Möglichkeit mehr ihre Sportart im Wettkampfbetrieb durch zu führen.

Was waren da deine Tätigkeiten?

Meine drei Vorgängern, unter anderem Mark Schober, haben mich vor der eher eintönigen Arbeit und insbesondere vor dem dortigen Chef gewarnt, weil das nicht gerade ein umgänglicher Typ war – das war dann auch tatsächlich so. Ich bin aber trotzdessen dortgeblieben. Man wird bei SMC schon ziemlich ausgenutzt. Die Haupttätigkeit bestand darin als Schiedsrichter zu fungieren. Das ist natürlich auf Dauer eher langweilig und es hat auch oft genervt, z.B. am Wochenende morgens um sieben Uhr in der Halle zu stehen. Es war aber trotzdem cool, weil ich halt ein halbes Jahr lang in Chicago gelebt habe und fast 1000$ pro Monat verdient habe. Dafür habe ich das einfach in Kauf genommen. In der Bank wäre sowas nicht möglich gewesen.
Ein weiterer Teil des Jobs bestand in der Verwaltung „meiner“ Ligen, z.B. die Anmeldungen im System erfassen, Kontakt zu den Teamcaptains aufzunehmen, Spielberichte zu schreiben etc. Außerdem gehörte die entsprechende Sponsorenakquise für meine Ligen zu meinen Aufgaben.

Das zweite Praxissemester war dann bei Skoda, wie ist es dazu gekommen?

Da gab es irgendwann mal einen Kontakt über Herrn Dr. Dyck und den habe den dann einfach mal angeschrieben, weil ich das spannend fand, nochmal ins Ausland zu gehen und mich mit den Themen Eishockey- und Radsportsponsoring zu befassen. Ich hatte zunächst eine Zusage der Volkswagen-Bank und danach erst die aus Tschechien. Eine Übernahme bei der Volkswagen Bank stand aber nicht in Aussicht und so fiel es mir relativ leicht, mich dann für Skoda zu entscheiden. Da gebe ich auch gerne den Kontakt weiter, weil das Praktikum super spannend war. Zum Beispiel war ich zum Finale der Tour de France in Paris und habe u.a. Bjane Riess kennengelernt.

Wie funktionierte dort die Kommunikation im Unternehmen? Ich vermute mal, dass du kein Tschechisch sprichst….

Also ein paar Sätze und Floskeln hab ich noch drauf! 🙂 Die Kommunikation lief auf Deutsch und auf Englisch, so dass das aber nie ein Problem war. Außerdem waren wir gleichzeitig etwa 25 Praktikanten, die alle in einem Wohnheim untergebracht waren. Da war immer was los und so lernte man dann auch dazu. Es waren viele verschiedene Nationalitäten vertreten und ich habe dort auch ein paar gute Freunde gewonnen, mit denen ich heute auch noch eng befreundet bin und im regen Austausch stehe.

Dort hast du auch deine Diplomarbeit geschrieben. Ist Skoda da an dich herangetreten oder lief der Weg umgekehrt?

Nein, ich bin aktiv auf die zugegangen und habe gesagt, das Thema Risikomanagement im Sportsponsoring wäre doch etwas, was auch für das Unternehmen interessant sein könnte. Zum Sportsponsoring gibt es schon zig Diplomarbeiten, aber zum Thema Risikomanagement im Sportsponsoring gab es noch nicht viel und das fanden die auch ganz spannend. Und Professor Wadsack übrigens auch. Zusätzlich habe ich nebenbei noch weitergearbeitet, da es dort im Laufe des Jahres eine personelle Umstrukturierung gab. Und durch meinen Vorgesetzten wurde ich immer sehr gut unterstützt.

Hättest du dort auch bleiben können?

Ja, aber die Anfrage kam erst, als ich wieder zurück in Deutschland war. Hätten die mich zuvor gefragt, hätte ich das vielleicht sogar gemacht. Besonders das internationale Sponsoring ist natürlich super interessant.

Als du dann 2008 fertig geworden bist, bist du wieder bei einer Bank, diesmal bei der Braunschweigischen Landessparkasse, tätig geworden. War für dich klar, dass du wieder zurück zu einer Bank möchtest? 

Das war sowohl Glück als auch Zufall. Ich habe insgesamt nur 2 Bewerbungen geschrieben. Einmal an MLP, auch ein Finanzdienstleister, und an die Landessparkasse. Das ist natürlich die beste Kombination aus meiner vorherigen Erfahrung in der Bank und als Absolvent der Ostfalia.

Wolltest du denn unbedingt hier in deiner Ursprungsregion bleiben?

Früher hab ich mal gesagt, hier willst du nie weg. Als ich dann mit dem Studium fertig war, habe ich gesagt, egal wo sich eine Möglichkeit ergibt, dort gehst du hin – am liebsten aber in ein großes Unternehmen in die Marketingkommunikation und dann am liebsten noch nach Braunschweig. Aufgrund dieses Profils habe ich dann auch meine Bewerbungen geschrieben. Das war dann schon ein riesen Glück, dass das geklappt hat. Zeitlich gab es da auch nie Zeiten des Leerlaufs. Das passte dann auch zu meiner Philosophie: Glück muss man sich erarbeiten.

Was genau machst du dort bei der BLSK?

Ich bin in der Marketingkommunikation tätig und einfach gesagt, kümmere ich mich um den Bereich der bezahlten Kommunikation. Das gliedert sich auf in die Bereiche: Konzeption von Vertriebskampagnen, Bewertung, Verhandlung und Aktivierung von Sponsorings und die Markenführung der Braunschweigischen Landessparkasse. Bei uns geht es dann um die größeren Sponsorships und die zentralen Sponsorings, wie z.B. die Nord LB Open, Eintracht Braunschweig, New Yorker Phantoms, aber auch Sachen wie den Stiftungslauf um den Salzgittersee, in den ja jetzt zum ersten Mal der Ostfalia-Cup integriert war. Bei „Schlag den Dyck“ habe ich allerdings kläglich versagt. 🙂 Desweitern kümmern wir uns, also meine Kollegin und ich, um die Erstellung von Kommunikationskonzepten und Imagebildenden Maßnahmen. Dazu zählt zum Beispiel das Laufsparbuch, das aus einer Projektarbeit mit der FH hervorging.

Hast du denn noch regelmäßigen Kontakt zur FH?

Ja, vor allem mit Professor Wadsack, Dr. Dyck und bis zum Sommer auch noch mit Prof. Riedmüller. Also alle paar Wochen oder Monate gibt es da noch Kontakt. Wir waren erst kürzlich in einer Vorlesung von Dr. Dyck und haben einen Vortrag zu dem Laufsparbuch gehalten.

Wie nah dran bist du denn an den Gesponserten? Also guckst du dir auch Spiele oder Wettkämpfe der Gesponserten an?

Ja, einmal berufsbedingt, um zu gucken, ob umgesetzt wird, was wir vertraglich festgehalten haben, zum anderen aber auch, weil mich das interessiert. Also ich bin zwar VfL Wolfsburg-Fan aber gleichzeitig auch Eintracht Braunschweig-Sympathisant, was viele immer nicht verstehen können.
Anfang Oktober war ich auch wieder mal beim Basketball in Braunschweig. Bei den Nord LB-Open oder den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften war ich zum Beispiel aber jeden Tag vor Ort.

Guckst du dir dann die Spiele aus der Loge aus an oder stehst du mit im Fanblock?

Also ich war zwar jetzt beim Basketball im VIP-Bereich, hatte aber Karten von der Commerzbank. 🙂 Da arbeiten 2 Freunde von mir, die Karten übrig hatten. Wir haben zwar auch eine Loge, die wird aber dann für Vertriebszwecke oder vom Vorstand genutzt, um Kunden oder Geschäftspartner einzuladen.

Schaffst du es noch aktiv Sport zu treiben oder fällt das aufgrund deiner beruflichen Einbindung aus?

Das ist eher sogar umgekehrt. Da ich sehr laufbegeistert bin und wir ja auch die Laufserie veranstalten nehme ich auch regelmäßig bei den Volksläufen teil. Dort gucke ich dann, ob unsere Sponsorings gut umgesetzt werden und nehme dann auch aktiv teil.
Ich war gerade auf Mallorca, um den Mallorca-Marathon zu laufen. Leider hat mich am Abend vor dem Rennen eine akute Magenschleimhautentzündung aus dem Verkehr gezogen. Das war echt total Sch…

Wäre das dein erster Marathon gewesen?

Nein, mein zweiter. Meinen ersten bin ich eine Woche nach Studienbeginn 2003 in Berlin gelaufen. Herr Dyck war auch am Start. Er ist zwar ein wenig älter als ich, war aber eine Stunde schneller. 🙂

Gibt es heute noch eine Anekdote, die dich an deine Studienzeit erinnert?

Auf jeden Fall auch die Jolly-Scheine. Und wir sind jedes Jahr nach den Prüfungen nach Wolfenbüttel ins Gaudimax gefahren. Wir waren so zwischen 3 und 15 Leuten und haben nochmal richtig gefeiert. Und wir haben uns immer Sportler-like „I’ve been looking for freedom“ von David Hasselhoff gewünscht. 🙂 Ach und: Der Kaffee wurde eingeheimst!

Welchen Rat würdest du jetzigen Sportmanagement-Studenten mit auf den Weg geben?

An erster Stelle sich richtig reinzuhängen, um das Studium auch nicht unnötig zu verlängern. Ein Auslandspraktikum ist sehr viel Wert, nebenher aktiv zu sein und Erfahrungen zu sammeln und zu feiern, aber eben nicht nur zu feiern. Also zu den Tätigkeiten nebenher zählen für mich z.B. die Organisation von Projekten und Events, die Tätigkeit als Trainer in Vereinen, usw. Also nicht nur Sachen machen, die Pflicht sind, sondern auch über den Tellerrand hinaus gucken. Das macht sich auch gut im Lebenslauf, auch wenn man weniger Freizeit hat, aber das wird sich positiv auszahlen. Das war doch ein toller Rat, oder?!

Auf jeden Fall! Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei deiner Tätigkeit in der Landessparkasse.

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