Interview des Monats August mit Britta Kamp

Lange musstet ihr warten, da das Interview des Monats im Juni und im Juli leider ausgesetzt hat, aber jetzt ist es soweit, das neue Interview des Monats steht bereit. Im August stellen wir euch Britta Kamp und ihren Werdegang von Salzgitter zu Unilever in Hamburg vor und zeigen euch mal eine ganz andere Perspektive.

Wo liegen deine Wurzeln?

Ich stamme gebürtig aus der Nähe von Bremerhaven und bin dort in einer 800-Seelen-Gemeinde aufgewachsen. Mein Abitur habe ich in Bremerhaven gemacht und im Anschluss daran absolvierte ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau.

Bestand da schon der Wunsch mal Sportmanagement zu studieren?

Die Ausbildung zur Industriekauffrau war für mich so eine Art Absicherung, falls das Studieren nicht klappen würde. Für mich stand also schon relativ früh fest, auch studieren zu wollen. Dadurch, dass ich die Ausbildung auf 2,5 Jahre verkürzt habe, hatte ich dann Zeit eine Saison lang noch als Animateurin zu jobben. Während dieser Zeit habe ich mich dann intensiv mit dem Thema Studium befasst. Im Vordergrund stand für mich zunächst die Frage, was ich überhaupt studieren will. Ich hatte schon während der Schulzeit Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen, also Stand die Richtung schon zur Hälfte fest. Den Studiengang Sportmanagement kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst wollte ich mich in Richtung PR entwickeln. Als ich den Studiengang dann entdeckte klang das für mich nach einer idealen Kombination meiner beiden Interessensgebiete: Wirtschaft und Sport. Von dem Studiengang war ich schnell überzeugt. Von dem Standort eher weniger.

Hört sich ja nach keinem positiven ersten Eindruck an…

Naja, dadurch, dass ich noch auf Kreta als Animateurin jobbte, musste ich meine Eltern bitten, sich um eine Wohnung für mich zu kümmern. Sie waren von Salzgitter leider nicht so begeistert und haben mir dann eine Wohnung in Wolfenbüttel besorgt. So war ich leider zum pendeln gezwungen. Es war nicht weit, aber schon irgendwie nervig, ständig fahren zu müssen. Zum Wohnen war Wolfenbüttel aber sicher die bessere Alternative.

War es für dich von Nachteil, dass du verspätet zu deinem Jahrgang gestoßen bist?

Irgendwie schon, denn die Gruppen bilden sich ja innerhalb der ersten 4 – 6 Wochen und da hatte ich dann ein wenig den Anschluss verpasst. Das hing mir leider auch bis ans Ende des Studiums ein wenig nach. Also ich hab da nicht drunter gelitten oder so, ich hatte aber immer das Gefühl, dass ich diejenige war, die irgendwann später dazugekommen ist.

Bist du dort dann dauerhaft in Wolfenbüttel geblieben?

Nein, nach meinem 1. Praxissemester, das ich in England absolviert habe, bin ich dann nach Salzgitter-Calbecht gezogen. Das hatte unter anderem den Vorteil, dass man in einem Freiblock auch einfach mal nach Hause fahren konnte. Nichtsdestotrotz fand das „klassische Studentenleben“ in Salzgitter nicht statt. Ich fand es schon manchmal schade nicht in einer „richtigen“ Studentenstadt zu sein. Aber der große Vorteil des kleinen Campus ist natürlich, dass alles eher familiärer zugeht. Die Semester sind überschaubar und man hat auch in der Vorlesung mal die Möglichkeit eine Frage zu stellen. In einem der überfüllten Uni-Säle mit dem Block auf den Knien auf dem Boden sitzend ist es sicher nicht so angenehm.

Die WM ist ja gerade vorüber. Wo hast du die Spiele verfolgt?

Sehr, sehr unterschiedlich. Das erste Spiel hab ich mir auf dem Fanfest in Hamburg zusammen mit 70.000 Fußballfans angeguckt. Das wollte ich mir einfach mal ansehen. Dann hab ich ein paar Spiele in der Kneipe gesehen und das deutsche Halbfinale dann daheim auf dem Balkon mit Sushi in der Hand verfolgt. Schön entspannt.

Bei der WM 2006 hast du für das OK gearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?

2005 war ja der Confederations-Cup in Hannover und ich hatte im Internet gelesen, dass dort Volunteers gesucht werden. Ich wusste zwar gar nicht genau, was so ein Volunteer so machen muss, aber hab mich da dann mal beworben. Ich wurde genommen und hatte viel Glück, dass ich ein sogenannter Personalmanagementvolunteer wurde. Dort habe ich dann unter anderem die gesamte Personalplanung, Schulungen, usw. mit organisiert und war dann schon ganz nah am OK dran. Bei einer Site-Inspection habe ich die Hamburger Kollegen kennengelernt. Das war mein Glück, weil die mich dann für 2006 verpflichtet haben.

Hast du die Zeit dann als Praxissemester genutzt?

Ja, obwohl das nicht zu 100% in die Praxissemester-Zeit passte. Ich hab dann schon vor Beginn des eigentlichen Praxissemesters dort mitgearbeitet und Prozesse unterstützt. Dort war ich dann für ein halbes Jahr angestellt als Assistentin des Volunteer-Managements.

Was hast du da konkret gemacht?

Rückblickend war das eine unglaublich intensive Zeit, in der wir teilweise in den Büros geschlafen haben, weil der Arbeitsaufwand so hoch war. Aber das Feiern kam natürlich auch nicht zu kurz. 😉 Es gab 2 hauptamtliche Volunteer-Manager für 1000 Volunteers und die brauchten dann jeweils eine Assistenz. Dadurch, dass mein Chef leider erkrankte, konnte ich viel selbst machen und entscheiden. Da habe ich mich dann unter anderem um die Schulungen, Partys, Stadtrundfahrten und die Ausstattung der Volunteers gekümmert.

Hast du diesen Eindruck dann auch konkret als Anregung für deine Diplomarbeit genutzt? 

Ja, ich hatte das Thema „Erarbeitung eines Führungsmodells für Ehrenamtliche bei temporären Großveranstaltungen – dargestellt am Beispiel der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006“. Es existiert ja schon viel Literatur über das Thema Führung von Ehrenamtlichen in Vereinen, aber ich wollte das Ganze mal in einem anderen Kontext beleuchten und fand die Arbeit wahnsinnig interessant. Während der WM ist mir konkret aufgefallen, dass dort Entwicklungspotenzial vorhanden ist.

Kannst du das konkretisieren?

Also uns drohten zum Beispiel ganze Gruppen einfach abzuspringen, weil das Essen schlecht war. Das mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, aber wenn man überlegt, dass die Volunteers ohne Bezahlung, teilweise ihren Jahresurlaub dafür opfern, um hier arbeiten zu können, dann muss sowas stimmen. Oder Leute, die sich unterfordert fühlten. Sowas mussten wir verhindern und mit den Volunteers eng zusammen arbeiten. Die Quintessenz meiner Diplomarbeit war dann auch, dass auch bei Sportmegaevents ein freiwilliges und motiviertes Engagement nicht selbstverständlich ist und nur durch die drei wichtigsten Grundlagen einer effizienten Führung von Ehrenamtlichen – Kommunikation, Delegation und Authentizität – aufrecht erhalten werden kann.

Danach warst du für 1,5 Jahre bei einer Bank. Was hast du da gemacht?

Ich war dort zuständig für die PR und Öffentlichkeitsarbeit. Unter anderem dann auch für das Sportsponsoring. Nach relativ kurzer Zeit habe ich dann allerdings festgestellt, dass das mit meinem Background als Sportbegeisterte nicht so ganz zusammengepasst hat. Hinzu kam, dass ich mit der WM 2006 ja bei einem riesengroßen Projekt dabei war, was mir irre viel Spaß gemacht hat. Der Handlungsrahmen bei der Bank war sehr begrenzt und eingeengt, so dass ich da auch in meinen Entscheidungen nicht sehr frei war. Das war eine gute Anstellung, aber leider nicht mein Ding. Danach habe ich mich dann versucht neu zu orientieren.

Wie war dein Werdegang nach deiner Anstellung bei der Bank?

Nach der Trennung von der Bank habe ich mich dann zunächst an eine Zeitarbeitsfirma gewandt. Da kommt man mit einem Werdegang wie meinem noch ganz gut an. Ich wollte das zunächst als Übergang in eine feste Anstellung nutzen, aber die haben mir dann glücklicherweise direkt einen attraktiven Job bei Unilever vermittelt und da bin ich jetzt schon seit einem Jahr.

Was sind und waren dann deine Aufgaben bei Unilever?

Zunächst bin ich als Schwangerschaftsvertretung in das Projektmanagement des Umzugsteams gekommen. Das war hochspannend, weil ich den gesamten Prozess der Fertigstellung des Neubaus in der Hafencity und der Relocation von 1200 Arbeitsplätzen komplett aus nächster Nähe miterleben konnte. Als das Projekt dann zu Ende war, bin ich in den Bereich des Facility Managements übernommen worden und baue dort derzeit den Bereich der externen Vermietung des Hauses auf. Das Gebäude ist groß und bietet vielfältige Möglichkeiten für Events. Wir vermieten das Haus, aber ich entwickle derzeit auch eigene Konzepte zur Nutzung. Unsererseits ist es absolut gewollt, dass das Unilever-Haus zum Hotspot in Hamburg wird.

Was bietet sich konkret im Unilever-Haus in der Hafencity an?

Das Haus bietet sich vor allem als Green Location an. Beim Bau und bei Unilever allgemein wurde und wird extrem viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Zudem können wir uns mit dem Titel „bestes Bürogebäude der Welt“ (World Architecture Festival Award 2009) schmücken. Wir haben ganz verschiedene Möglichkeiten der Nutzung. Es gibt Küchen, wo zum Beispiel Showkochen gemacht werden kann. Das große Atrium, die Konferenzetage, das Betriebsrestaurant, alles ist außerhalb der Bürozeiten zu mieten. Vom Stehempfang der Hamburger Konsulatsleiter, über einen Designmarkt (www.der-die-sein.de) bis hin zu gehobenen Abendveranstaltungen und Partys ist alles dabei und vieles denkbar. Vor kurzem war Steffi Graf als Werbepartner hier und hat im Atrium ein Charity-Tennis-Turnier gespielt. Also das Gebäude ist sehr vielseitig verwendbar und auch der Sportbezug ist ab und zu da. 😉

Willst du denn dauerhaften in dieser Branche bleiben oder zieht es dich schon zurück ins Sportmanagement?

Grundsätzlich ist Organisieren genau mein Ding. Und das kann ich in meinem derzeitigen Job voll ausleben. Es macht mir viel Spaß, den Bereich der externen Vermarktung von Grund auf aufzubauen und mich hier mit eigenen Konzepten „auszutoben“. Sollte es irgendwann noch mal die Chance geben, beides (Sport & Organisation) zu verbinden, schaue ich mir das Angebot sicher genau an 😉 Ich beobachte den Sportmanagement-Markt so gut es eben geht, aber der ist natürlich sehr voll. Ich bin bei Unilever jedoch sehr zufrieden und hoffe auf eine lange und produktive Zusammenarbeit.

Schaffst du es denn trotz deines engen Zeitplans noch aktiv Sport zu treiben?

Ich versuche das auf jeden Fall! Leistungssportlerin bin ich zwar nicht, aber den Spaß an verschiedenen Sachen habe ich natürlich immer noch. Ich spiele mittlerweile auch wieder regelmäßig Tennis. Da ich direkt an einer der beliebtesten Laufstrecken Deutschlands wohne an der man zu wirklich jeder Uhrzeit Jogger sieht, komme ich schon alleine aufgrund des schlechten Gewissens auch ums Laufen nicht ganz rum. 😉 Zudem bin ich noch in einem der größten Sportvereine Hamburgs Mitglied und nehme dort an Group-Fitness-Kursen teil. Interessante Sache übrigens. Die bieten extrem viel für absolut wenig Geld. Tolle Studios, super Trainer, 55.000 Mitglieder (www.sportspass.de). Ich spiele auch mit dem Gedanken, mich gegebenenfalls noch als Group-Fitness-Trainerin ausbilden zu lassen aber dieses Projekt nehme ich mir mal für das kommende Jahr vor.

Du engagierst dich ja auch ehrenamtlich für Viva con Agua. Was ist das genau?

Das ist ein Projekt, gegründet von Benjamin Adrion (ehemaliger Spieler beim FC St. Pauli) und super interessant. Während eines Trainingslagers 2005 auf Cuba hatte er die Idee, eine Trinkwasser- Initiative für Entwicklungsländer zu gründen. Viva con Agua ist ein offenes Netzwerk an welchem sich jeder beteiligen kann (www.vivaconagua.org). Durch verschiedene Aktionen auf und mit Festivals, Sportveranstaltungen und sonstigem, werden Spenden generiert um Trinkwasserprojekte zu finanzieren. Gerade hat Viva con Agua auch eine GmbH gegründet, die jetzt ihr eigenes Wasser vertreibt. Der Gewinn der GmbH kommt dann den Projekten zu Gute. Dort engagieren sich zum Beispiel auch Fettes Brot, Wir sind Helden und Sasha. Ich arbeite dort seit Kurzem im Arbeitskreis Marketing an der strategischen Weiterentwicklung von Viva con Agua. Leider habe ich dafür nicht immer genügend Zeit.

Hältst du dich noch über Neuerungen, Trends und Innovationen im Sportbusiness auf dem Laufenden?

Oh, da kriege ich sofort wieder ein schlechtes Gewissen. Leider eigentlich viel zu wenig, da einfach die Zeit fehlt. Wir machen hier in Hamburg aber regelmäßig den SPO-MAN-Stammtisch und da kriegt man immer viel Input. Ein weiterer wichtiger Punkt ist meine Mitgliedschaft in der Jury des SPO-MAN-Award. Ich freue mich schon jetzt auf viel neuen Input durch die Abschlussarbeiten.

Wie betrachtest du deine Studienzeit rückblickend?

Das Studium an sich wie es damals war, fand ich sehr gut. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass die theoretischen Inhalte alle sehr verständlich vermittelt wurden. Auch die Praxis kam nie zu kurz. Ich hatte damals die Leitung für die Fachtagung inne und das hat mir wahnsinnig viel gebracht. Was ich kritisch betrachte ist, dass uns damals gesagt wurde, dass es überhaupt kein Problem werden wird, später eine Anstellung im Sportbereich zu finden und dass der Arbeitsmarkt quasi auf uns wartet. Das entsprach und entspricht auch immer noch nicht unbedingt den Tatsachen. Der Arbeitsmarkt ist sehr eng.

Gibt es einen Rat, den du jetzigen Sportmanagement-Studenten mit auf den Weg geben würdest?

Ich würde mit auf den Weg geben, so früh es geht, so viele Kontakte wie nur irgend möglich zu knüpfen. In den Semesterferien sollte man auf jeden Fall nicht auf der faulen Haut liegen, sondern versuchen, auch hier schon im Hinblick auf einen späteren Job aktiv zu werden. Sprich die Semesterferien für Praktika außerhalb des Studiums nutzen. Diese Erfahrung ist extrem wichtig, da der Markt schon sehr gesättigt ist.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und dir weiterhin Alles Gute bei Unilever!!!

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