Interview des Monats April mit Sebastian Becker (Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH / SZ 2001)

SPO-MAN möchte euch in Zukunft regelmäßig einen Einblick in das Berufsleben von Absolventen ermöglichen, dazu haben wir die Kategorie Interview des Monats ins Leben gerufen. Für das erste Interview konnten wir Sebastian Becker, Jahrgang 2001, Assistent der Geschäftsleitung und Leiter Kommunikation bei der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH gewinnen. Er gab uns einen umfassenden Einblick in seinen beruflichen Werdegang und seine aktuelle Tätigkeiten beim Köln Marathon.

Moin Sebastian!

SPO-MAN: Schön, dass du Zeit gefunden hast, uns ein Interview zu geben. Zu allererst würde ich von dir gerne wissen, so deine Wurzeln liegen und wann du dich dazu entschieden hast, Sportmanagement zu studieren?

Gebürtig komme ich aus Arnsberg im Sauerland. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst habe ich dort eine dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. Aber schon nach ca. 1,5 Jahren hatte ich für mich beschlossen, im Anschluss auch noch zu studieren. Eine Kombination aus der bisher in der Ausbildung erlernten BWL und meinem Hobby Sport war das Ergebnis.

SPO-MAN: Warum hast du dich dann für den Studiengang in Salzgitter entschieden?

Den Studiengang Sportmanagement in Salzgitter habe ich zum damaligen Zeitpunkt einfach am besten gefunden. Den großen Vorteil sah ich in den 2 Praktika während des Studiums. Ich hätte auch in Köln an der DSHS anfangen können, aber ich wollte bereits vom Anfang des Studiums an den Schwerpunkt auf der BWL haben, da für mich klar war, dass ich später in die Management-Richtung gehen wollte.

SPO-MAN: Würdest du dich heute auch noch für den Studiengang entscheiden?

Mittlerweile würde ich Sportmanagement bzw. Sportökonomie nicht mehr studieren wollen. Allerdings eher aus Vernunftgründen, denn der Markt ist einfach viel zu übersättigt und man muss sich schon seine eigene Nische suchen. Gerade im Bereich Marketing und Kommunikation ist es derzeit schwierig, einen Job zu bekommen.

SPO-MAN: Wo hast du dein 1. Praktikum absolviert?

Ich hatte einen Auslandsaufenthalt in Australien. Ursprünglich wollte ich mal im Sporttourismus arbeiten. Daraufhin habe ich in Australien ein kleines Unternehmen ausfindig gemacht, das im Sommer eine Wellenreitschule und im Winter Ski- und Snowboard-Reisen angeboten hat. Da bin ich nach 4 Wochen aber wieder weg, weil ich mich mit dem Chef nicht verstanden hab. Ich habe dann ca. 20 Bewerbungen innerhalb von Sydney verschickt und die einzige Firma, die geantwortet hat, war zufällig eine Skatefirma – mein Sport ist seit einigen Jahren das Inline-Speedskating. Dort habe ich dann unentgeltlich gearbeitet und die Zeit „down under“ genossen.

SPO-MAN: Besteht dorthin noch Kontakt?

Ab und an habe ich mit denen geschäftlich noch was zu tun. Ich habe u. a. versucht, dieses Unternehmen als Sponsor für unser Skaterennen in Köln zu gewinnen, jedoch leider ohne Erfolg.

SPO-MAN: Wie bist du zu deiner aktuellen Anstellung als Assistent der Geschäftsführung bei der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH gekommen?

Ich habe mein 2. Praktikum beim Veranstalter des BERLIN-MARATHON, SCC Running Events GmbH, gemacht. Eigentlich wollte ich damals zu adidas. Dort hatten sich 10 Leute von uns beworben, 9 haben sie genommen – mich jedoch nicht. Somit hatte ich das Nachsehen. Da Inline-Skating schon länger meine Passion war, habe ich daraufhin nach Veranstaltern gesucht, die Skate-Events planen, organisieren und durchführen. So bin ich dann nach Berlin gekommen und hatte zunächst eine Praktikumsanstellung für 4 Monate. Da habe ich u. a. an der Organisation des BERLINER HALBMARATHON mitgearbeitet und fand die Arbeiten so interessant, dass ich für weitere fünf Monate als studentische Aushilfe verlängern durfte. Auch meine Diplomarbeit konnte ich dann über den BERLIN-MARATHON schreiben. Dort wäre ich auch gerne geblieben, leider war zu dem Zeitpunkt keine Kapazität für mich vorhanden…

SPO-MAN: Was hast du dann gemacht?

Die 9 Monate in Berlin hatten mir so gut gefallen, dass ich in dem Bereich Sporteventmanagement auch weiterarbeiten wollte. Ich habe mich dann initiativ bei den 5 größten Marathon-Veranstaltern in Deutschland beworben und in Köln hat es dann geklappt. Es war keine Stelle ausgeschrieben, aber meine Bewerbung lag offenbar im exakt richtigen Moment vor. Und glücklicherweise gab es in Köln noch niemanden, der den Bereich Inline-Skating betreut hat.

SPO-MAN: Wie bist du dann Assistent geworden?

Ich bin dort als Projektleiter angefangen. Von Jahr zu Jahr stiegen Umfang des Aufgabengebiets und Verantwortung und nach kleinen Umstrukturierungsmaßnahmen bin ich Leiter Kommunikation geworden. Zudem agiere ich als rechte Hand, sprich Assistent, des Geschäftsführers. Dies ist aber nur ein Titel, das tatsächliche Aufgabenfeld umfasst dann doch einiges mehr – wir sind ja nur ein kleines Team.

SPO-MAN: Wie viele Leute arbeiten bei euch?

Wir haben 6 festangestellte Leute, 3 davon in Vollzeit und 3 in Teilzeit. Ergänzt wird unser Team um 4 Studenten. Diese teilen sich über das Jahr gesehen eine Teilzeitstelle. Zur Veranstaltung hin betreuen sie dann jeweils eigenständig Projekte und arbeiten ca. zwei bis vier Monate Vollzeit mit. Am Veranstaltungswochenende koordinieren wir mit Dienstleistern, Helfervereinen, usw. insgesamt ca. 2500 Leute.

SPO-MAN: Worin liegt der besondere Reiz bei der Arbeit an der Organisation und Durchführung des Köln Marathon?

Wir sind ein sehr kleines und junges, aber motiviertes Team. Das Betriebsklima stimmt und alle arbeiten gemeinsam auf das Event hin. Aufgrund der Teamgröße bekommt man so gut wie alles über die Veranstaltung und Arbeiten der anderen mit. Man kann sich intensiv mit einbringen und auch was bewirken. Man bekommt ziemlich schnell viel Verantwortung übertragen und kann eigenständig arbeiten.
Je länger man im Team dabei ist, desto bekannter sind logischerweise die ganzen Strukturen und Abläufe. Bei so einem Event gibt es immer wieder kleine Feinheiten, die man verändern kann und muss. Weil wir im Team selber alle aktive Sportler sind und somit vieles auch aus Teilnehmersicht sehen, können wir unsere eigenen Vorstellungen und Ideen sehr gut mit einbringen.
Zudem liegt der Reiz der Arbeit darin, dass die Anforderungen unserer Wettbewerbe bzw. Zielgruppen – wir bieten nicht nur den Marathon an, sondern haben ein ganzes Portfolio an Lauf- und Skaterennen an nur einem Tag – recht unterschiedlich sind und wir bis zu 30.000 Teilnehmer betreuen und uns schon im Vorfeld um deren Belange kümmern.
Ca. 8 Wochen vor der Veranstaltung geht es heiß her und dann werden auch mächtig Überstunden fällig. Über das Jahr hin reduziert sich aber das Arbeitsmaß natürlich ein wenig.

SPO-MAN: Was machst du konkret, wenn der langgeplante Marathontag dann läuft?

Das hat sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Aber bei der Veranstaltung handelt es sich eigentlich um mehrere Tage bzw. ein ganzes Wochenende inklusive Messe und Rahmenprogramm. Schon an den Tagen vorher hat jeder von uns diverse Projekte und Aufgabenbereiche, die er betreut.
Anfangs war mein Projekt am Marathon-Sonntag die Durchführung der Siegerehrungen für die ganzen Wettbewerbe, die an dem Tag stattfinden. Hier habe ich dann Moderatoren, VIPs und Fotografen sowie 20 Helfer koordiniert. Letztere haben u. a. die Sieger nach dem Zieleinlauf „eingefangen“ und sie bis zur eigentlichen Ehrung betreut. Für einige Helfer kamen noch die Dopingkontrollen der Topathleten und die Pressekonferenz hinzu.
Das Projekt im nächsten Jahr war die morgendliche Streckenabnahme mit der Polizei sowie im Anschluss die Unterstützung der delegierten Durchführung der Ehrungen.
Im letzten Jahr habe ich mich dann mit einem kleinen Team um die Sicherheit bei den Zieleinläufen gekümmert, da die schnellen Sportler des nachfolgenden Wettbewerbs die langsamen des vorherigen ein- und überholen. Besonders kritisch wird dies bei den Topathleten des Inlinemarathon, die mit Spitzengeschwindigkeiten von gut 50km/h auf die langsamen Halbmarathonis im Vorzielbereich stoßen.

SPO-MAN: Was machst du dieses Jahr beim Köln Marathon?

Für die kommende Veranstaltung werde ich wohl zusammen mit Vertretern von Polizei, Feuerwehr, Stadt Köln, Sanitätern etc. die Organisationsleitung besetzen und mich von dort aus um die Gesamtkoordination und Behebung der „äußeren Einflüsse“ auf die Veranstaltung kümmern.

SPO-MAN: Was ist für dich der schönste Moment als Organisator beim Marathon?

Der schönste Moment ist, wenn man die Läufer ins Ziel einlaufen sieht und deren Emotionen beobachten kann. Ich könnte mich auch 4 Stunden lang an die Ziellinie stellen und den Teilnehmern zuschauen. Aber das ist natürlich leider nicht möglich.
Diesen Moment sollte man aber wirklich mal erlebt haben! Dies sind rührende Bilder, die einem auch schon mal feuchte Augen bringen können…

SPO-MAN: Findest du neben deiner Arbeit noch Zeit auch aktiv Sport zu treiben?

Glücklicherweise habe ich ja mein Hobby zum Beruf gemacht. Inline-Skating ist innerhalb meines Verantwortungsbereiches zwar nur ein kleiner Teil, aber es ist doch sehr präsent. Wir haben zusammen mit 2 Veranstaltern aus Berlin und Koblenz eine nationale Skateserie, den GERMAN INLINE CUP (GIC), initiiert, die aktuell um weitere Rennen wächst, an der ich selbst auch aktiv teilnehme. Ich bin bei diesen sowie vielen weiteren Rennen der Saison immer vor Ort, sowohl als Veranstalter als auch als Teilnehmer. So schaffe ich es, Geschäftliches und auch Privates miteinander zu verbinden.
Ich schätze es sehr, dass ich meine Arbeitszeiten im Jahresverlauf häufig selber einteilen und viel trainieren kann.
Zuletzt war ich bei der GIC-Auftaktveranstaltung in Berlin, beim Start der NRW-Serie in Paderborn und beim Radklassiker „Rund um Köln“ dabei.

SPO-MAN: Guckt man sich während eines Skaterennens auch die Stadt an?

Beim Rennen selbst bekomme ich von der Umgebung eher weniger mit, da bin ich mehr mit mir selbst und dem Gleichschritt meines Vordermanns beschäftigt. Klar, die Kurven und Schlaglöcher etc. in den jeweiligen Städten kennt man – aber nicht wirklich, was kulturell oder baulich um einen herum passiert. Dafür komm ich dann lieber ein anderes Mal zurück in die Stadt.

SPO-MAN: Der ursprüngliche Kontakt zu dir lief über deine Kontaktdaten bei deiner öffentlichen Profilseite bei XING. Wie schätzt du die Gefahr ein, dass so viele Informationen über dich öffentlich zugänglich sind?

Ich war doch ein wenig überrascht, dass so viele Informationen über mich öffentlich verfügbar sind – auch ohne Login. Da bin ich teilweise aber bestimmt auch selbst mit Schuld dran, wenn ich so viele Informationen über XING preisgebe. Beruflich sehe ich das aber als eher unproblematisch, privat würde ich mir da mehr Gedanken machen. Bei Facebook oder anderen Social Networks bin ich dann doch restriktiver und stelle viel weniger Informationen über mich ein.

SPO-MAN: Haben dich schon mal Studenten aus Salzgitter bezüglich einer Praktikumsstelle kontaktiert?

Ich hatte mal über die SPO-MAN-Homepage einen Praktikumsplatz einstellen lassen und darüber sind dann auch Bewerbungen zu mir gekommen. Wir haben allerdings auch regelmäßig Einsendungen von Studenten von der Deutschen Sporthochschule. Da ist der Kommunikationsweg kürzer und die Bewerber können einfach auch mal in einer Freistunde bei uns vorbeikommen. Ich würde mich aber auf jeden Fall darüber freuen, wenn wir vermehrt Praktikanten aus Salzgitter bekommen würden.

SPO-MAN: Wie hältst du dich auf dem Laufenden über aktuelle Veränderungen und Trends im Sports Business?

Es gibt natürlich ein paar Zeitungen, die ich lese, die sind aber mehr sportartspezifisch. Ich lese nicht regelmäßig die Sponsors und finde leider auch keine Zeit, um an Messen oder der Fachtagung teilzunehmen. Das geht leider ein bisschen an mir vorbei.

SPO-MAN: Wie siehst du deine Zeit in Salzgitter heute?

Ich muss sagen, dass die Zeit, die ich in Salzgitter verbracht habe, wirklich super war. Es schweißt zusammen, wenn man ein wenig abgeschottet zusammen studiert. Mein erster Eindruck von Salzgitter war wie bei vielen anderen zunächst nicht allzu positiv. Das hat sich aber ziemlich schnell gewandelt. Ich hab viele neue Leute in ganz kurzer Zeit kennengelernt. Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich in der 31 im Wohnheim gewohnt habe… Ich möchte die Zeit wirklich nicht missen und treffe mich noch gern mit alten Kommilitonen!

SPO-MAN: Was würdest du jetzigen Sportmanagement-Studenten mit auf den Weg geben?

Das Studium schnell durchziehen, schon nebenbei viele Erfahrungen durch Praktika sammeln, während der Semesterferien und gegebenenfalls auch während des Semesters Arbeiten gehen, Auslandserfahrung machen, sehr viel in Eigeninitiative probieren, sich nicht hängen lassen oder darauf warten, dass das beste Angebot einem unterbreitet wird und sich am besten eine Nische suchen, weil, wie eingangs schon erläutert, der Arbeitsmarkt relativ voll ist.

Danke für das umfangreiche Interview!

Hast auch du Lust am Köln Marathon teilzunehmen? Dann melde dich an auf: www.koeln-marathon.de !

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